SARASANI: Wuschel, wie bist du zur Pfadi gekommen?
Maja Riniker / Wuschel: Meine Mutter war früher auch in der Pfadi und hat mir erzählt, dass dies etwas Lässiges sei. Damals war die Pfadi geschlechtergetrennt und ich durfte die Fusion der Mädchen- und Jungenpfadi erleben.
Nach deiner aktiven Zeit als Teilnehmerin hast du während 5 Jahren selbst in der Pfadi geleitet. Welche Erfahrungen durftest du als Leitungsperson mitnehmen?
Ich durfte schon sehr früh Verantwortung für eine ganze Gruppe übernehmen, sowie früh Entscheidungen treffen und diese dann mittragen. Es gab aber auch schwierige Situationen. Teilweise standen Eltern plötzlich auf dem Lagerplatz und wollten für ihre Kinder nochmals Schuhe bringen oder ich musste Kinder nach Hause schicken. Das Wertvollste, dass ich mitgenommen habe, ist die Arbeit im Team.

Steckbrief: Wer ist Wuschel?
Vollständiger Name: Maja Riniker
Pfadiname: Wuschel
Geburtsdatum: 23. Mai 1978
In der Pfadi seit: 1984 ⚜️
In der Politik seit: 2006
Lieblingsjahreszeit: Frühling 🌷
Lieblingsessen über dem Feuer: Schoggibananen & Fotzelschnitten
Lieber sehr heisses oder regnerisches Sommerlager: Lieber ein heisses Lager ☀️
Lieblingshosensackspiel von früher: Mörderlis (Blinzlispiel)
Lieblingslied aus dem Rondo: Als der Vater, Bella Ciao, Ds Zündhölzli 🔥
Bereits seit 20 Jahren bist du in der Politik tätig und vertrittst seit 2019 den Kanton Aargau im Nationalrat. Während des letzten Jahres hast du als höchste Schweizerin sogar den Nationalrat präsidiert. Welche Unterschiede siehst du zwischen dem Leiten einer Session und einer Pfadiaktivität?
Im Parlament ist der Ablauf reglementiert und Gesetze bestimmen, wie der Betrieb laufen muss, während in der Pfadi vieles ad hoc angepasst werden muss. Es ist zum Beispiel bis ins Detail geregelt von wann bis wann eine Nationalratssitzung dauert.
Die Pfadi ist auch im Bundeshaus vertreten. Es gibt eine parteiübergreifende Gruppe von ehemaligen Pfadis, die parlamentarische Gruppe Pfadi. Erkläre uns doch, was ihr da macht?
Im Parlament gibt es verschiedenste parlamentarische Gruppen. Dies sind Interessens- oder auch Schicksalsgemeinschaften, welche sich, das ist wichtig, überparteilich unterstützten. Die parlamentarische Gruppe Pfadi war beispielsweise nicht untätig als es um die Nachfolge der Bundesrätin Viola Amherd ging und wir haben uns aktiv für die Wahl von Martin Pfister / Hecht engagiert.

Trefft ihr euch denn auch manchmal für ein Schlangenbrot auf der Bundeshausterrasse?
(schmunzelt) Nein, das haben wir noch nie gemacht. Während des Politbetriebs, wenn die Sessionen laufen, haben wir fast keine Zeit für solch schöne Momente.

Das wohl grösste politische Pfadithema 2025 waren die J+S Gelder. Das Bundesamt für Sport wollte die Gelder kürzen, was auch die Pfadilager betroffen hätte. Was war deine erste Reaktion, als du davon gehört hast?
Wie häufig in meinem politischen Amt, wollte ich zuerst verstehen, warum es zu dieser möglichen Kürzung kommt. Dabei habe ich realisiert, dass es nichts mit dem J+S Angebot zu tun hat. Der Gesamttopf der J+S Gelder, wir können uns auch einen Kuchen vorstellen, wäre nicht grösser geworden. Da aber immer mehr Menschen von dem Kuchen essen wollten, hätte man die Kuchenstücke, also im Fall der Pfadi die Lagerbeiträge, kleiner machen wollen.
Es regte sich in der Gesellschaft Widerstand und eine Online-Petition erreichte in Kürze fast 185’000 Unterschriften. Wurde auch die parlamentarische Gruppe Pfadi aktiv?
Nein, es gab bereits sehr viel Engagement aus den Sport- und Jugendverbänden. Im Parlament hätten wir erst zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt darüber abgestimmt. Der Bundesrat hat aber bereits entschieden das Budget, für die nächsten zwei Jahre zu vergrössern, weswegen das Parlament nicht gefordert war. Folglich sind wir Pfadis im Bundeshaus auch nicht aktiv geworden.
Das Volk diskutiert dennoch bereits fleissig mit und fragt sich, wie die Zukunft aussehen könnte. Bis zum Ende des nächsten Jahres sind die J+S Beiträge gesichert. Wie könnte es weitergehen?
Es ist Aufgabe des Bundesrates dem Parlament ein neues Budget für die nächsten Jahre vorzulegen. Ich könnte mir wegen der finanzpolitisch angespannten Situation vorstellen, dass man sich bei jedem Franken überlegen muss, wo er «am richtigsten» eingesetzt ist. Für Familien können ja nicht nur die Lagerbeiträge, sondern auch steigende Krankenkassen und mehr Verkehrsausgaben belastend sein. Da es nun aber schon so viel Widerstand gab, wird sich der Bundesrat gut überlegen, ob er nochmals versucht bei den J+S Beiträgen zu sparen.
Dein Präsidialjahr im Nationalrat ist vollendet. Trotzdem gilt für dich: Nach dem Präsidium ist vor dem Präsidium. Seit Dezember präsidierst du die Schweizerische Pfadistifung. Was reizt dich an der Aufgabe dieses Präsidium zu leiten?
Dies ist eine Herzensangelegenheit, einmal Pfadi, immer Pfadi. Ich konnte von der Pfadi viel profitieren und gebe deshalb gerne etwas zurück.

Als Nationalrätin mit vielen Ehrenämtern müssen deine Aufgaben gut organisiert werden. Was kannst du jungen Pfadileitenden empfehlen, wenn ihnen die Aufgaben, zum Beispiel vor einem Sommerlager, über den Kopf wachsen?
Da gibt es zwei Sachen: Hört auf euren Körper. Schaut, dass ihr vor dem Lager etwas mehr schlafen könnt und gesund esst. In meinem Präsidialjahr musste ich mich auch immer dann erholen, wenn es denn ging. Das andere ist eine gute Organisation: Führt eine saubere Agenda, habt einen guten Plan für alles im Lager und probiert euch daran zu halten. Pläne geben mir immer Sicherheit.
Was können Politiker*innen von Pfadis lernen?
Toleranz, Offenheit, Belastbarkeit. Die positiven Aspekte, dass Pfadis schöne Momente draussen erleben können. Wir sitzen viel zu oft in unseren Büros. Politik findet viel zu selten draussen und in einem System von starren Abläufen statt.
Wie wäre es denn mal mit einem Hosensackspiel im Parlament?
Das fände ich cool (lacht). Aber das wird nie passieren.
Was kann die Pfadi von der Politik lernen?
Da möchte ich eigentlich keine Tipps geben (überlegt). In der Politik läuft vieles sehr effizient ab, weil es so strukturiert und geregelt ist. In Sitzungen lässt man sich ausreden und hält sich an wichtige Regeln, dass Dinge ausdiskutiert werden können. Da könnte man in der Pfadi vielleicht etwas schneller werden, wäre aber vermutlich auch weniger kreativ.
Was möchtest du den SARASANI-Leser*innen zum Schluss noch mitgeben?
Ich möchte gerne einen Dank aussprechen, dass sie sich für die Pfadi engagieren und der Pfadi ihre Zeit schenken. Wenn man in einer Leitungsposition in der Pfadi ist und die Ausbildungen machen darf, dann finde ich das etwas sehr Tolles. Mit diesem Engagement ist man auch ein Vorbild für die Jüngeren, die Wölfe und die Biber, und prägt die Kinder in dieser Lebensphase wirklich.



