Zeitschrift der Pfadibewegung Schweiz

International

Murakoze, Rwanda! Unser Sommerlager in Ostafrika

Claire Clavadetscher / Manki


Pfadigeist im Land der tausend Hügel: Zwei Wochen voller Kultur, Gemeinschaft und unvergesslichen Begegnungen. Claire Clavadetscher / Manki berichtet von einem einzigartigen Sommerlager, welches gemeinsam von der Pfadibewegung Schweiz (PBS) und der Association des Guides du Rwanda (AGR) auf die Beine gestellt wurde.

Im Rahmen der Austauschpartnerschaft zwischen der Pfadibewegung Schweiz (PBS) und der Association des Guides du Rwanda (AGR) machten sich 14 Schweizer Pfadis vom 18. Juli bis am 2. August 2026 auf den Weg nach Ostafrika. Das Ziel: Ein gemeinsames Sommerlager (SoLa) mit der ruandischen Pfadi. Was folgte, war eine Reise voller neuer Eindrücke, intensivem Austauschprogramm und tiefgreifenden Bekanntschaften.

Gemeinsam geplant, gemeinsam erlebt

Dieses Pfadilager wurde durch einen langen Vorbereitungsprozess beider Verbände ermöglicht. In mehreren Onlinesitzungen stimmten die Organisator*innen aus Ruanda und der Schweiz den Ablauf ab. Auch die Teilnehmenden planten bereits im Vorfeld eigene Programmblöcke und organisierten kleine Projekte. So konnte die Schweizer Delegation nicht nur teilnehmen, sondern das Lager aktiv in der Organisation und auch währenddessen mitgestalten. Nach dem ersten Treffen im Frühling ging das Projekt «SoLa in Rwanda» richtig los!

In der Hauptstadt Kigali angekommen, tauchten wir direkt in die Kultur ein. Die ersten Tage brachten uns nicht nur die Landschaft und Geschichte des Landes näher, sondern boten auch Raum für ersten Austausch mit den ruandischen Pfadis. Das gemeinsame Mitwirken bei mehreren Projekten für die Gemeinschaft gaben uns einige Einblicke in ihr Pfadiengagement. Unterwegs im Bus, in den alle Schulter an Schulter hineinpassten, und durch die gemeinsame Unterkunft und Mahlzeiten entwickelte sich schnell ein starkes Gruppengefühl.

In der Woche vor dem Lager entdeckten wir querbeet das Land: Ob bei einer Bootstour auf dem See Kivu im Westen oder einer zweistündigen Bus-Panne auf dem Land – die Ruander*innen begegneten uns überall mit einer aussergewöhnlichen Offenheit. Unterwegs haben wir immer wieder sich zu erkennende (ehemalige) Pfadis angetroffen.

Das Lagerleben in Musha

Im Anschluss an die Zeit rund um Kigali reisten wir östlicher nach Musha zum Lagerort. Mit der Aufteilung in gemischten Patrouillen und dem Erfinden gemeinsamer Rufen festigte sich die Lagergemeinschaft. Trotz Sprachbarrieren – wir kommunizierten primär auf Englisch und etwas Französisch – verstanden wir uns auf Anhieb. Wir lernten einige Wörter Kinyarwanda und brachten ihnen im Gegenzug etwas Schweizerdeutsch bei.

Das Programm war vielseitig und intensiv:

  • Workshops zu Genderfragen, Leadership und Umweltthemen mit spannenden Diskussionen.
  • Praktische Blöcke wie das Nähen wiederverwendbarer Binden, Erste Hilfe leisten, auf Schnitzeljagd gehen ergänzt durch viele Pfadi- und Kartenspiele.
  • Kulinarischer Austausch: In Kochkursen lernten wir die ruandische Küche kennen und zeigten den Ruanderinnen im Gegenzug einige schweizerische Gerichte und Snacks.
  • So brachten sie uns auch traditionelle Tänze bei, während wir uns mit Theatereinlagen und Schweizer Sackmessern als Geschenk revanchierten.
  • Das Lager wurde mit Eröffnungs- und Abschlusszeremonien umrahmt dazu die Lagerfeuerstimmung als Highlight.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Pfadis

Im direkten Zusammenleben waren sowohl Vertrautes als auch deutliche Unterschiede bemerkbar:

Die PBS steht allen Geschlechtern offen, während die AGR ein kleinerer und reiner Verband für Frauen und Mädchen (Mitglied von WAGGGS) ist.

Die Bereitschaft, um beispielsweise neue Spiele kennenzulernen, teilen Ruander*innen gleichermassen wie Schweizer*innen sowohl auch die Fähigkeit gemeinsam zu improvisieren und Wartezeiten füllen zu können.

Weltweit ist das Pfadifoulard ein Wiedererkennungszeichen. Wie auch in der Schweiz sind Pfadis in Altersgruppen unterteilt, was bei der AGR klar mit der Foulardfarbe ersichtlich ist. Während in der Schweiz Foulards, Hemden und Abzeichen je nach Abteilung und Lager stark variieren und individuell gestaltet sind, trägt die Pfadi in Ruanda dieselbe offizielle Uniform (meistens zu bestimmten Anlässen). Manchmal organisieren sie sich auch in einheitlicher Kleiderordnung. Was wir jedoch teilen: das leidenschaftliche Tauschen von Pins!

Auch bei sehr vielen Spielen gibt es Parallelen, welche super als Eisbrecher funktionierten, und so einmal auf Kinyarwanda und einmal in Schweizerdeutsch gespielt wurden.

In der Vorbereitung schien die zeitliche Planung in Ruanda zwar gelassener, vor Ort war davon jedoch wenig zu spüren: Auch sie bestimmen Verantwortlichkeiten untereinander, delegieren Aufgaben und sprechen täglich das Programm durch. Flexibler bleiben lediglich die Treffpunktzeiten, wobei die Schweizer Pünktlichkeit eine Sache der Schweiz bleibt.

Während in unseren Schweizer SoLa der Aufbau eines Lagerplatzes vor allem aus verschiedenen Zelten und Bauten besteht, prägten dieses Lager feste Unterkünfte, gemeinnützige Arbeit in der Gemeinde, sowie strukturierte Zeremonien.

Entscheidend war, aufeinander zuzugehen und sich den anderen Gewohnheiten anzupassen.

Was bleibt?

Durch die gemeinsamen Aktivitäten und vor allem Gesprächen konnten wir viel voneinander lernen – besonders darüber, wie Pfadi im jeweiligen Land gelebt wird. Dass der Pfadigeist über Grenzen hinweg verbindet, ist wahrscheinlich die grösste Erkenntnis. Egal ob beim Singen, beim Austauschen von Eindrücken oder bei den gemeinsamen «Energizern» (rhythmisierende Sing-Sprüche zum Auflockern und Energie sammeln): Der Funke sprang sofort über.

Wir nehmen unzählige Erinnerungen, neue Energie und wertvolle Impulse für unsere eigene Pfadiarbeit in der Schweiz mit. Zudem eine riesige Portion Gastfreundschaft und die Gewissheit, dass Pfadi weltweit vernetzt ist und von Austausch lebt. Die wichtigsten «Blitzlichter» sind sicherlich: Offen für Neues sein und Schwierigkeiten mit Zuversicht begegnen – entsprechend unserem Pfadigesetz. Das SoLa in Ruanda war eine unglaublich wertvolle Erfahrung und eine tolle Möglichkeit, ein so faszinierendes Land im Pfadikontext zu bereisen.

«Murakoze» – Danke auf Kinyarwanda!

Mehr Informationen über die Partnerschaft

In der SARASANI-Ausgabe Nr. 61 wurde die Partnerschaft bereits vorgestellt. Du kannst den Artikel hier nachlesen.

Zudem findest du weitere Informationen zu den Partnerschaften der Pfadibewegung Schweiz auf pfadi.swiss

Kurz & knapp! – Einfach erklärt

In diesem Beitrag geht es um ein spezielles Sommerlager. Pfadis aus der Schweiz sind in das afrikanische Land Ruanda gereist. Dort haben sie zusammen mit ruandischen Pfadis ein Sommerlager durchgeführt. Die Teilnehmenden haben festgestellt, dass es zwar einige kulturelle Unterschiede gibt. Das gemeinsame Lager hat aber gezeigt, dass Pfadis viel mehr Gemeinsamkeiten haben. Auch wenn sie auf unterschiedlichen Kontinenten leben, teilen sie ähnliche Ansichten. Sie fühlen sich durch die Pfadi verbunden.

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