Als vor sieben Jahren im SARASANI der Aufruf zu einem Treffen für queere Pfadis abgedruckt wurde, ahnte wohl niemand, was daraus entstehen würde. «Wir hatten das Bedürfnis, die Pfadi inklusiver zu machen», erinnert sich Wanda Duss / Zappel, langjähriges Vorstandsmitglied der Rainbowscouts. Auch Regina Widmer / Snoopy, bis 2024 Präsidentin der Rainbowscouts, meint: «Ich wollte anderen queeren Pfadis zeigen, dass sie nicht allein sind und dass sie wissen, dass sie in der Pfadi zu Hause sind.» Entstanden aus diesem Treffen ist der Verein Rainbowscouts.
Glossar: Was bedeutet LGBTQIA+? Was ist Drag? Und wer ist queer?
LGBTQIA+ ist ein Sammelbegriff für Menschen, die nicht heterosexuell sind, sich nicht ihrem nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht zugehörig fühlen und/oder deren Geschlechtsmerkmale nicht den binären (zweiteiligen) Geschlechternormen von Mann und Frau entsprechen. Er kommt aus dem Englischen und steht für lesbisch (Lesbian), schwul (Gay), bisexuell (Bisexual), trans (Trans), queer (Queer), intergeschlechtlich (Intersexual), asexuell/aromantisch (Asexual/Aromantic).
Queer ist Sammelbegriff für Menschen, die nicht heterosexuell und/oder nicht cis sind, sich also nicht oder nur teilweise ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht zugehörig fühlen. Menschen, die sich der LGBTQIA+ Community zugehörig fühlen, bezeichnen sich selbst oft als queer.
Dey/dem ist ein Pronomen, das oft non-binäre Personen gebrauchen. Im Deutschen wird manchmal auch nur der Name verwendet, wie bei Pop-Sensation Nemo.
Drag ist eine Kunstform, bei der (oft) Männer als weibliche Figuren und (oft) Frauen als männliche Figuren auftreten. Sie sind für ausgefallene Kostüme bekannt und spielen so mit Geschlechterstereotypen.
Pride oder Pride-Paraden sind Feste, an dem LGBTQIA+ Personen feiern und gefeiert werden. Ziel ist es, dass alle stolz auf die eigene sexuelle Orientierung oder Geschlechteridentität sein können. An der Pride wird auch für die Rechte von queeren Personen gekämpft.
Buntes Bundeslager
Schon bald kam das erste grosse Projekt: 2022 organisierten die Rainbowscouts für das Bundeslager (BuLa) mova das Rainbowcafé. Bei Sirup und Kaffee konnten Fragen zu sexueller Orientierung und Geschlechtervielfalt gestellt, Erfahrungen geteilt und andere queere Pfadis kennengelernt werden. Charlie Valley / Luciole erinnert sich genau an einen der Höhenpunkte des BuLas: die Pride, eine kleine Parade über das mova-Gelände. «Das war einer der schönsten Tage meines Lebens.» meint dey, «Es machte so viel Sinn zu zeigen, wir sind da, wir sind sichtbar und das war so ein starkes Gefühl.»
Dragshow am Pfadi Folk Fest
Diese starken Gefühle erleben die Rainbowscouts auch an den Prides, die sie in den letzten Jahren gemeinsam besucht haben – von Genf bis Basel. Pascal Graber / Senocho erinnert sich daran, dass sich Personen dank der Pride trauten, sich bei ihren Eltern zu outen. Viele kennen Senocho auch wegen seines Drag-Auftritts als Lady Wukai am Pfadi Folk Fest (PFF) 2025. Der Abend ist ihm besonders geblieben. «Ich war aber noch nie so stark nervös, wie an diesem Abend. Es war für mich wie ein Auftritt vor der Familie» meint Senocho. Die Sorgen waren unbegründet: Die Stimmung war super und das Publikum begeistert. Neben den Shows sind die Rainbowscouts am PFF immer auch mit einem Stand dabei. Dort kann man reden, Fragen stellen oder Pins basteln.

Hilfsmittel für die Abteilungen
Doch queer zu sein, ist in der Pfadi nicht immer einfach. «In der Pfadistufe war es schwieriger, mich selbst zu sein.», erzählt Luciole. Als dey später die Abteilungsleitung übernahm, hat dey sich geoutet und viel dafür getan, um die Abteilung sicherer zu machen. Dank Personen wie Luciole hat sich in den letzten Jahren einiges verbessert. Zum Beispiel werden Leitungspersonen in Ausbildungskursen auf das Thema sensibilisiert und es gibt Hilfsmittel, wie die Offen für alle Broschüre, die Abteilungen unterstützen kann.
Was kann man selbst machen, damit Pfadi für alle offen ist? «Man muss auf Leute zugehen und ihnen zeigen, dass es gut machbar ist, sich als Abteilung zu öffnen und einen respektvollen Umgang mit allen zu finden, ohne dass die anderen Aufgaben untergehen.» erklärt Zappel. Senocho ist zuversichtlich: «Pfadi ist in der besten Richtung ein sicherer Ort für queere Pfadis zu werden und da bin ich überzeugt, dass das schon gelebt wird und vielerorts am Aufkommen ist.» Auch Luciole sagt: «Es ist besser, aber die Arbeit ist noch nicht fertig. Es ist wichtig, dass jetzt auch Jüngere aktiv werden, da sie die jetzige Lage gut kennen.» Dieses Jahr wird man die Rainbowscouts wieder am PFF, an verschiedenen Prides und vielleicht auch anderswo antreffen.
Interesse geweckt?
Mehr Infos für Interessierte auf www.rainbowscouts.ch oder @rainbowscouts.schweiz auf Instagram.
Kurz & knapp! – Einfach erklärt
In diesem Beitrag geht es um die Regenbogen-Pfadis. Sie setzen sich für Vielfältigkeit in der Pfadi ein und organisieren Aktivitäten, bei denen sich alle wohlfühlen. Dabei machen die Regenbogen-Pfadis keinen Unterschied, welchem Geschlecht man sich zugehörig fühlt oder wen man liebt. Die Ansichten der Regenbogen-Pfadis passen zu den Grundwerten der Pfadi. Wir Pfadis wollen eine bunte Welt. So farbig, wie ein Regenbogen. Daher auch der Name Regenbogen-Pfadis. Sie verwenden aber lieber den englischen Begriff dafür: Rainbowscouts.



